DER RESTAURANT BLOG

Nr. 06/20 | 08.10.2020

ESSKAPADEN.BLOG

Drink ma noch ee Kännche – jemütlich in et Heinemännche!

Ja, tut mir leid – für die Düsseldorfer, die ihre Mundart von mir hier verhunzt sehen – und für die Nicht-Düsseldorfer, die damit ohnehin nichts anfangen können oder wollen. Aber: et kütt, wie et kütt!

Nichts drückt die über Jahrzehnte bis Jahrhunderte gewachsene Kultur einer Region für mich besser aus, als ihre Sprache & ihre Speisen. Der bayrische Leberkäs‘ vom Münchner Ober im Franziskaner charmant serviert und kommentiert – das ist München at it’s best (siehe Esskapaden 05/20). Nach vielen glücklichen Jahren im Rheinland: die QUINTESSENZ von DÜSSELDORF? Für mich liegt all das, was Düsseldorf ausmacht, in der KONDITOREI HEINEMANN: stolze Tradition, täglich erkämpfte Best-Qualität und eine Inhaberpersönlichkeit par excellence.

DIE INHABER

Herrmann Heinemann eröffnete 1932 seine erste eigene Konditorei in Mönchengladbach, noch heute Stammsitz der Familie & Firma. Später wurden seine Söhne Bernd & Heinz-Richard Heinemann nach Lehrjahren in der Schweiz und Gesellenjahren u.a. in Paris „Konditor- & Confiseur-Meister“. Heute führt Heinz-Richard das Unternehmen, das mehr internationale Auszeichnungen für höchste Perfektion der Konditoreikunst aufweist, als Platz an den Wänden in den beiden großen Cafés in Düsseldorf ist. Und da wir gerade bei der Abteilung „Auszeichnungen“ sind: versuchen Sie  e i n e  nationale oder internationale Berühmtheit zu finden, die Ihnen  n i c h t  mit einem signierten Foto von der Wand beim Genießen zuschaut.

DÜSSELDORF

Keine Kleinstadt – aber auch keine MegaCity. Einfach ein ganz eigener Kosmos aus romantischen Ecken, liebenswerter, fast italienisch-leichter Lebensart, Sinn für Geld & Geschäft, ein wenig Show & Glamour – aber auch das prägende Allheilmittel „Jemüütlichkeit“! Dafür ist es aber auch fast unmöglich, nach 22:00 noch irgendwo Essen zu gehen. You can’t have it all.

FRÜHSTÜCKEN bei HEINEMANN

Nehmen Sie ein Hotel nahe der oberen oder der unteren Kö, wo die beiden Konditoreien liegen. Ich kann leider kein besonders charmantes Etablissement empfehlen, dazu ist Düsseldorf zu sehr Messestadt – aber Sie finden schon eins zum Schlafen. Und was Sie vielleicht in Ihrem Hotel an Qualität, Seele & Service vermisst haben – begegnet Ihnen beim Frühstück: sieben opulente Frühstücksmenüs mit allen erdenklichen Zutaten, zwölf Kaffeesorten, sieben Teesorten – aber auch putzig angebotene einzelne Eier & viele Extras, zwei halbe belegte Brötchen für den kleinen Hunger oder den noch kleineren Geldbeutel. Oder „my American favourite“: Toast, scrambled eggs, bacon & black coffee. Oder Bergische Waffeln, Warmer Apfelkuchen, Gefüllte Crepes ? Oder, oder. Ich könnte noch lange so weitermachen, denn auch die meisten deftigen Gerichte gibt’s schon morgens. Nein, keinen Rheinischen Sauerbraten zum Frühstück? Na gut, dann zum Lunch.

LUNCHEN bei HEINEMANN

Hier muss ich einfach vorab die Speisekarte zitieren: „Wir kochen ehrlich und traditionell handwerklich. Geschmacksverstärker, Fertigsößchen oder andere industrielle Zutaten finden Sie in unseren Gerichten nicht.“ Und wenn Sie nun drei bis vier deftige Alibi-Gerichte als Ergänzung zu Kuchen & Torten erwarten – weit, aber ganz weit gefehlt! Die Top-Klassiker, die Suppen, Salate, Heimatküche, kalten Gerichte, Tagesempfehlungen & Desserts bieten Ihnen eine Auswahl & Qualität, die manche Restaurants sich wünschen würden. Gibt es eine verbale Steigerung von „gutbürgerlich“? Nein? Na, wenn das so ist, hier habt Ihr sie: „bestbürgerlich“ – so würde ich die deftigen Delikatessen der „Konditorei“ Heinemann nennen. Oder sogar „hochbürgerlich“.

Während ich hier schreibe, läuft mir (fast) soviel Wasser im Mund zusammen, wie gerade jetzt den Rhein runter fließt. Wenigstens im Geiste wähle ich mir ein paar Gerichte aus: „Geschnetzeltes Zürcher Art, Lachsmedallion mit Champagner-Senfsoße, Geschmorte Kalbsbäckchen, Rahmpfifferlinge mit knusprig gebratenen Schnitzeln und zum Dessert Bergische Waffeln mit warmen Himbeeren.“ Hape Kerkeling alias Horst Schlämmer vom Grevenbroicher Tagblatt würde sagen: „weisse Bescheid!“.

KAFFEE & KUCHEN bei HEINEMANN

Kuchen, Plätzchen und auch Torten, nur die allerfeinsten Sorten – das bringt Ihnen freundlich schnell, die Konditorei-Mamsell. Bodenständig und vom Rhein – so kann guter Service sein. Und die Stimmung weit und breit: Rheinische Jemütlichkeit. Und zum Schluß – Verführung pur, geht es durch den Laden nur. Ein paar Pralinen, süß & fein – und die Kekse soll’n es sein.

THE CROWN

Jetzt wird’s ernst. Wem immer ich das nun folgende erzähle, sagt mir: ich kenn da einen Konditor in Hinterhausen, der macht auch … . Nein, nein und nochmal nein: für mich und alle meine Lieben ist der allerallerbeste BAUMKUCHEN – der von HEINEMANN! Ein absolutes Muss zu Weihnachten. Nochmal: „weisse Bescheid!“  konditorei-heinemann.de

FAZIT: „1. Eine Reise wert!“

Gastro Talk

Die große Frage für Restaurants zum erneut drohenden Lockdown: TAKE AWAY (oder gar Lieferung) anbieten oder nicht? Ich finde: ganz klar JA!  1. Es rechnet sich zwar nicht kurzfristig – aber langfristig durch besondere Kundenbindung. Und  2. nach der Krise wird Take Away & Delivery als verstärkte Umsatzquelle bleiben. Also JA!

Do’s & Dont’s

Dear guests, please never ever be a NO-SHOW! Wenn Sie wüßten, wie sehr es Gastronomen schmerzt, wenn ein gebuchter Tisch leicht hätte neu vergeben werden können – aber einfach rücksichtslos nicht abgesagt wurde. Und daher bitte nicht wundern, wenn Restaurants zunehmend nach Ihrer Kreditkarte zur Reservierung fragen – und eine NO-SHOW-FEE ankündigen.

Mein „Best Of“

Brot. Sehr viel Industrie. Viele Aufbackläden. Nur noch wenig echte Bäcker. Kaum Meisterhafte. Meine Top Drei Bäcker & Sorten: vom Kölner Traditionshaus MERZENICH das Zirbelbrot (auch Versand). Vom Prominenten GAUES (Hannover/Hamburg) das Schweizer Bürli. Und vom Hamburger Newcomer Christian Aeby (BREAD) seine Sauerteigstangen.

Vorschau

Eine interessierte Leserin fragt, ob ich mit meinen Reportagen pausiere, falls Restaurants wieder ein paar Wochen schließen müßen. Liebe Frau B., Esskapaden sind kulinarische Erzählungen (auch) zum TRÄUMEN! Und wenn Sie einen Genußtempel auf Ihre To Do List setzen, dann freuen Sie und der Gastronom sich nach dem Lockdown umso mehr über Ihren Besuch.

Bewertungen: 1. Eine Reise wert 2. Ein Hochgenuss 3. Hat mir gefallen 4. Mixed Feelings 5. Hat mich enttäuscht 6. Mein „NoGo“